Stadtgrün

Fokus   –   Park beim ehemaligen Wilhelmstift bzw. Isnyer Krankenhaus

Einleitend zu diesem Thema ein paar Anmerkungen. Was macht den Wohnwert einer Stadt aus? Solide Infrastruktur, ausreichend Arbeits- und Wohnstätten, Grundversorgung im Einkaufs- und Gesundheitsbereich, Bildungszentren und Erholungsraum. Wir haben uns von Seiten der Arbeitsgruppe Biodiversität die Bewahrung, Verbesserung und Weiterentwicklung der Artenvielfalt, von standorttypischen Biotopen als Ziel gesetzt. In Bezug auf den Isnyer Erholungsraum gibt es viele Ansatzpunkte zur Erhaltung, Bewahrung und Verbesserung. Wir gliedern den Erholungsraum methodisch in innerstädtischen und stadtnahen Erholungsraum.
In lockerer Serie möchten wir einige markante Standorte, deren Wertigkeit, Entwicklung und Bedrohung näher betrachten. Den Reiz und Wert unserer Heimatstadt macht der historische Stadtkern einst geschützt durch eine Ringmauer, gekennzeichnet durch dichte Bebauung aus, plus der großzügigen Grünanlagen, die wie ein grüner zweiter Ring den Stadtkern umschließen. Dieser grüne Ring besteht aus der parkähnlichen äußeren Wehranlage, den wassergefluteten Schutzgräben und der Isnyer Ach einst wichtiger Energielieferant und Lebensader für Handwerk. Den dritten Ring bildeten Gärten und landwirtschaftliche Flächen zur Versorgung der Stadt plus zunehmend Gewerbeansiedlungen, erweiterte Wohnbebauung und im Falle Isnys soziale Einrichtungen.
Als erstes Stadtgrünobjekt möchten wir den Krankenhauspark betrachten. 19xy erbauten die Isnyer Bürger das Wilhelmsstift zur medizinischen Versorgung der Stadtbevölkerung und des Umlands. Eine großzügige Parkanlage mit schattenspendendem Baumbestand, natürlichen Blumenwiesen und in Schleifen angelegten Wegenetz trugen parallel zur medizinischen Behandlung zum Gesundungsprozess der Patienten bei. Heute ist das Krankenhaus Isny bereits Geschichte. Aktuell stehen das Medizinische Versorgungszentrum plus weitere medizinischer Angebote vor der Auflösung oder einer räumlichen Standortveränderung. Was heute bei diesem Areal neben den Verlusten medizinischer Infrastruktur noch eine hohe Wertigkeit hat ist, wenn man genauer hinschaut der historische Krankenhauspark. Der Restbestand an alten Baumgruppen bildet besonders im Verbund mit den Altbaumbestand des Altstadtrings eine wichtige Achse zum Umland. Zu beobachten sind Grün- und Buntspecht, Kleiber, Baumläufer, Dohlen Türkentaube und zahlreiche Meisenarten. Der Grauschnäpper, eine Vogelart, die beim Vogelzug bis in das südliche Afrika zieht, um unseren Winter zu umgehen, kann man im Sommer bei der Brut beobachten. Die mageren Wiesen des Krankenhausparks haben eindeutig Biotopcharakter. Magere Ausprägungen mit Margeriten, Hornklee, Thymian wechseln sich ab mit frischen Wiesentypen mit Wiesenknöterich, Sumpfvergissmeinnicht, Lichtnelke und zahlreichen Orchideen, darunter mehrere Knabenkrautarten und die zweiblättrige Waldhyazinthe. Alles zusammen ein vielfältiger natürlicher Lebensraum für Insekten aller Art. Dieser natürliche Restbestand ehemalig in Isny und Umgebung häufig anzutreffender blütenreicher Wiesentypen hat einen höheren ökologischen Wert als gärtnerisch angepflanzte Blühstreifen.
Angesichts dieser dokumentierten hohen Wertigkeit dieser Parkanlage sollte die geplante Zerstörung der Wiesenrelikte und der Baumgruppen durch Überbauung überdacht, besser verhindert werden. Eine besondere Verantwortung für einen achtsamen Umgang mit diesen hochwertigen ökologischen innerstädtischen Flächen haben aus Sicht der Arbeitsgruppe Biodiversität die derzeitigen öffentlichen Grundeigentümer.

Als nächstes Thema unter der Rubrik Stadtgrün folgt der Eberzsche Park beim ehemaligen Postamt.

Autor: Andreas Morlok   Über den folgenden Link gelangen Sie zum Artikel „Nachgefragt: Was passiert mit dem Krankenhausareal“ aus der Schwäbischen Zeitung: Link zum Artikel

       

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